FAQs, Facts und Zeugnisse

Wir haben hier Zeugnisse und Aussagen von Menschen vor Ort, Zitate oder interessante Auszüge aus Berichten zusammen getragen. Es sind dies Tatsachen, die Ihnen vielleicht Antwort geben auf Fragen oder die ihnen Hintergründe verdeutlichen.

Wenn auch Sie Fragen, Meinungen oder Informationen haben, so freuen wir uns auf Ihre Meldung. (s.u.)

 

In Südafrika gibt es doch Firmen und „reiche“ Menschen, die auf europäischem Lebensstandard leben. Sind die denn nicht Spender, Sponsoren oder sozial engagiert? Doch, das sind sie! Alle Kinderheime, die wir unterstützen, haben begonnen als normale Familie, die ein oder mehrere Pflegekinder aufgenommen hat. Sehr viele Familien tun dies, entweder als Pflegefamilie oder als „Wochenendpaten“. Der wohl wichtigste Träger sind die Kirchen und ihre Mitglieder. Auch die Unternehmen sind sozial engagiert, so werden ja auch unsere Kinderheime gesponsert, eine Firma bezahlt die Nahrung, eine andere die Sauerstoffflaschen, usw. Aids ist aber auch zu einem wirtschaftlichen Problem für die Unternehmer geworden, denn ihre Arbeiter und Angestellten sterben einfach weg. Firmen müssen jeden Posten mehrfach besetzen, jeden Monat neues Personal einstellen, ausbilden usw, um an Aids gestorbene Mitarbeiter zu ersetzen. Das kostet natürlich, und durch diesen Schaden bleibt für die Kinder weniger übrig. Immer mehr Firmen investieren in Aids-Vorsorge- und Behandlungsprogramme für ihre Mitarbeiter und übernehmen so eine wichtige Rolle.
(Warren, B&B Bell & Bird, Apple Orchards, Gauteng) „Den Unternehmern sterben die Arbeiter und Angestellten weg. Ein Freund hat ein mittelgroßes Bauunternehmen. Jeden Monat muss er neue Leute einstellen, nur um Personal zu ersetzen, das an Aids gestorbenes ist. Es ist Wahnsinn. Und es kostet, und so bleibt für Spenden etc nur wenig übrig.“

 

Wird über HIV/Aids gesprochen? (Lyn Croote, Lambano Sanctuary) „Nein, bei den Betroffenen ist HIV/Aids meist Tabu, es wird einfach verschwiegen, aus Scham und Angst, verstoßen zu werden. Die meisten wollen es gar nicht wissen. Also: kein Test, keine Hilfe und kein Schutz vor weiteren Ansteckungen.“ Dieses Schweigen ist wohl ein Grund der rasenden Verbreitung.

 

 

Was kostet die antiretrovirale Behandlung? Zahlt der südafrikanische Staat? Pro Monat betragen die Kosten ca. 600,-USD. (Chris Harding, Tshepo ya Bana) “Erst seit ca. 2005 übernimmt der Staat die Kosten für antiretrovirale Medikamente, natürlich nur für die Kinder, die offiziell existieren, sprich offiziell gemeldet sind und offiziell bei uns in Pflege sind“ und nur die Menschen, die offiziell HIV positiv sind, sprich offiziell getestet wurden. Ein Großteil der Betroffenen fallen nicht in diese Kategorie: viele Findelkinder und Aidswaisen, alle illegalen Einwanderer und all die, die Aids einfach ignorieren wollen.

 

Warum gibt es so viele Kinder und Erwachsene ohne Papiere? Da gibt es zum einen die illegalen Einwanderer, die aus ganz Afrika nach Südafrika fliehen, aus Kriegsregionen, aus Armut, aus Not. Sie leben in informellen Squatter Camps und zur Untermiete in den Hinterhofhütten der Townships. Entgegen der Gesetze nehmen viele Direktoren die Kinder in ihren Schulen auf, aber da sie offiziell gar nicht existieren, gibt es für Nahrung und Kleidung keine staatliche Hilfe.

Zum anderen fehlt einer ganzen Generation von Menschen jegliche Bildung und Information, da sie während Apartheid keinen Zugang zu Schulen und zur „freien“ Gesellschaft hatten. Sie können nicht lesen und nicht schreiben und wissen noch nicht einmal, dass offizielle Papiere ihnen Zugang zu staatlichen Unterstützungen ermöglichen oder wie sie diese Papiere anfragen sollen. Deswegen helfen unsere Partner vor Ort ihnen dabei.

Und dann sind da die vielen Findelkinder. Irgendjemand findet sie und ruft die Polizei, diese bringt sie in das nächste Krankhaus, das, total überbelegt, als erstes das nächste private Kinderheim anruft. Dort sind die Kinder dann erst einmal versorgt und am leben, erst einmal ohne Papiere, die sollen morgen gemacht werden. Doch schon morgen findet wieder jemand ein Kind, die gleiche Notsituation, die gleiche Dringlichkeit. (Chris Harding, Tshepo ya Bana) „Die Sozialassistenten kommen einfach nicht nach und die Administration ist sehr schwerfällig, Findelkinder sind somit zwar privat versorgt, doch offiziell gar nicht existent, das heißt keine Papiere, keine soziale Unterstützung, nicht adoptierbar.“

 

Wie ist die Situation Downtown Johannesburg zu erklären? Das Stadtzentrum war zu Apartheidzeiten ausschließlich den Weißen vorbehalten. Schwarze und Farbige durften nur mit entsprechendem Arbeitsausweis zu Arbeitszwecken hinein und mussten abends wieder heraus. Innerhalb dieser „Festung“ hatten die Weißen „ihr“ europäisch oder amerikanisch anmutendes Großstadtzentrum. Mit dem Ende von Apartheid 1994 wurde diese „Festung“, dieser Inbegriff der Rassentrennung, regelrecht gestürmt, und das verständlicherweise mit vielen negativen Gefühlen. Weiße Privatleute, Geschäfte und Firmen flüchteten. Ganze Hochhäuser und Firmengebäude wurden aufgegeben. Sandton, ein völlig neues Stadtzentrum wurde weiter nördlich aufgebaut. In den leerstehenden Gebäuden fanden Einwanderer aber auch Kriminelle Unterkunft. Ganze Straßen gerieten außer Kontrolle, Anarchie breitete sich aus. Irgendwann hat die Stadt den besetzten Häusern einfach Strom und Wasser abgestellt, doch wohin? Inmitten der chaotischen und auch gefährlichen Situation: kleine Inseln ganz unterschiedlicher Art, die funktionieren: ein stets überlastetes Krankenhaus, der Diamantenhändler De Beers mit Straßentoren und Wächtern, der von Touristen besuchte Constitution Hill, in dem einst große Menschen wie Nelson Mandela und Mahatma Ghandi inhaftiert waren. Seit einigen Jahren versucht die Stadt, Straße für Straße und Platz für Platz wieder aufzuwerten und zu resozialisieren.

 

Warum hat sich Aids so stark verbreitet hat? (Warren, B&B Bell & Bird, Apple Orchards, Gauteng ) “Der Anfang waren die Minen und Apartheid: die Männer sind vom Land weg zu den Minen in die Townships, bzw in die Wohnbaracken der Arbeiter – ihre Familien durften nicht mitkommen, Männerlager und Frauenlager waren prinzipiell getrennt. Dort hatten sie Kontakt mit HIV positiven Prostituierten. Die Frauen und Kinder blieben auf dem Land. 1 oder 2x im Jahr gingen die Männer nach Hause und brachten Aids mit zu ihren Frauen. Heute gibt es ganze Dörfer und Township-Viertel, in denen die Generation der Eltern einfach nicht mehr existiert. Die Kinder leben bei ihren Großeltern, in Heimen oder alleine.„

Dann kam die ignorante Aidspolitik Südafrikas, die bis 2004 behauptete, es gäbe keinen Zusammenhang zwischen HIV + Aids, die keine oder falsche Aufklärung betrieb, und die medizinische Versorgung und Vorsorge total vernachlässigte. Ein weiterer Grund: Armut und fehlende Bildung führen zu sehr frühen sexuellen Kontakten und zu Sexualkriminalität.

 

Wie groß ist die Unwissenheit zum Thema HIV und Aids bei den Armen? Ein gesunder Vater in einem Township sagte zur Sozialassistentin: „Eigentlich wäre es doch viel besser, wenn ich AIDS hätte, dann bekäme ich Geld vom Staat für die Medikamente und meine Kinder bekämen Pflegegeld.“ Dass er dann kurz vor dem Tod ist, hat er nicht realisiert. So groß ist die Verzweiflung und die Unwissenheit der Armen in den Townships. Unwissenheit, Fehlwissen und Aberglaube in allen Schichten haben furchtbare Folgen: Um Aids zu vermeiden, genügt es, sich nach dem Sexualverkehr zu waschen oder Wasser zu trinken. Um Aids zu heilen, muss man Sexualkontakt mit einer Jungfrau haben…

 

Gibt es keine staatlichen Kinderheime? (Martha Sibase, Lambano Sanctuary) „Natürlich gibt es auch staatliche Kinderheime, doch die sind total überfüllt, ca. 200 Kinder in einem Heim, 20 Kinder pro Zimmer, zu wenig Personal und somit auch zu wenige Zuneigung. Außerdem sind die Heime nach Altersstufen organisiert, die Kinder werden also immer wieder getrennt und in ein anderes Heim transferiert. Kein guter Start ins Leben.“

 

Hat sich die Wohnsituation in den Townships gebessert? (Claudine Klein, Naledi Projects) „Bei unserem ersten Besuch in Südafrika 2005 fielen uns natürlich die „Shacks“, die Blechhütten in den Townships auf. Bei unserem 2. Besuch 2008 war der erste Eindruck: Lauter massiv gebaute Häuschen, viel weniger Hütten, toll, da hat sich ja einiges getan. Bis wir einen Blick hinter die Häuschen warfen: im Hinterhof mehr Hütten als zuvor, ca. 6 Hütten à 2x3m aufeinander gepfercht, ein gemeinsamer Wasserhahn und ein Plumpsklo. In den einen lebte je eine HIV positive, alleinerziehende Mutter mit ihrem Kind, in den anderen Familien mit 2 oder 3 Kindern. Die Wohnsituation hat sich also insgesamt verschlechtert, es leben noch mehr Menschen auf noch engerem Raum unter schlechten Bedingungen, mit dem Unterschied, dass sie auf den ersten Blick nicht sichtbar sind.“

 

Warum ist eine Schuluniform so wichtig, es gibt doch sicher dringendere Anschaffungen? (Martha Sibase, Lambano Sanctuary) „Schuluniform ist in Südafrikas Schulen Pflicht, ohne Uniform darf ein Kind nicht in die Schule. Natürlich tauschen die Mütter sich die Uniformen aus oder verkaufen sie gebraucht weiter. Aber was machen, wenn auch dafür das Geld fehlt? Oder wenn es einfach keinen Erwachsenen gibt, der sich darum kümmert?“ Bedenkt man aber die zu Hause herrschende Armut der meisten Schulkinder, so ist die Schuluniform weit mehr als eine Pflichtsache. Sie ist ihr ganzer Stolz, denn sie gibt ihnen für einige Stunden ihre Ehre zurück - die Armut bleibt zu Hause.

 

Warum gibt es in Südafrika so viele illegale Einwanderer? Die Menschen kommen aus Krisenregionen der Nachbarländer und aus ganz Afrika. Sie sind falsch oder gar nicht informiert und denken, in Südafrika das Paradies zu finden. Ihre Endstation sind die Shacks der Townships.

 

Kommt der südafrikanische Staat nicht auf für seine Waisen, Aidskranken und seine Schulen? Laut Gesetz tut er dies, ist aber vom Problem Armut und Aids überfordert und hat die Situation nicht im Griff. Das Bild vom europäisch entwickelten Südafrika ist einfach falsch, denn es trifft nur für eine Minderheit von 13% der Bevölkerung zu.

  • Extrem hohe Armutszahlen
  • Weltweit höchste Aidsrate
  • Langjährige falsche Aidspolitik> fehlende Infrastruktur, fehlende Aufklärung, fehlende Vorsorge, nachhinkende Administration
  • Kinder und Erwachsene ohne Papiere (nicht angemeldete Kinder und illegale Einwanderer) können keine staatliche Unterstützung erhalten.

Kontaktieren Sie uns:

Naledi Projects
165, rte de Longwy
L-1941 Luxembourg
info@naledi-projects.lu